Wandefahrt_21

Wanderfahrt nach Darmstadt am 15. Oktober 2022

Nachdem wir uns in den letzten Wochen in einigen Trainingseinheiten bereits an das Rudern im Platzregen gewöhnt hatten, waren wir bereit für die diesjährige Wanderfahrt von unserem Mannheimer Steg zum Ruderclub Neptun in Darmstadt. Mit drei vollbesetzten Gig-Vierern starteten wir bei andauerndem Regen unsere Fahrt über den Altrhein. Unsere Trainingsroute bis zur Rheinmündung bewältigten wir bereits in bester Laune – ein gutes Omen für die nächsten 45 Kilometer! Einige von uns bogen zum ersten Mal auf den großen Rhein ein: Nun ging das Abenteuer richtig los.

Wir mussten uns erst einmal an den Wellengang und die Strömung gewöhnen, und gleichzeitig gab es so viel Neues zu entdecken: Containerschiffe, Fluss-Kreuzfahrtschiffe und Motorjachten kreuzten unseren Weg und ließen die Boote schaukeln. Wir erhielten Einblicke in verwunschene Uferbuchten und sahen dort lauter Angler im Regen sitzen. Im dichten Lampertheimer Urwald hatte sich jemand eine von Palmen gesäumte rustikal-karibische Holzhütte in eine kleine Bucht gebaut. Und dann kam sogar die Sonne raus, sodass die romantische Rhein-Industrie und das Atomkraftwerk in Biblis in bestem Licht erstrahlten.

Nach etwa 20 Kilometern spürten die ersten von uns ihre Sitzflächen. Zum Glück konnten wir die gelegentlichen Pausen nutzen, um uns durch akrobatische Dehnübungen wieder einzurenken und mit dem einen oder anderen Schoko-Muffin neue Kraft zu tanken. Zwischen den Schlägen blieb auch Zeit für die wirklich wichtigen Fragen: Sollte man Lautsprecher im Boot anbringen, um vom Steuermann bis zu Platz 1 eine reibungslose Kommunikation ohne den Stille-Post-Effekt zu ermöglichen? Oder wären agentische Headsets eher von Vorteil? Wie klemmt man die Skulls am besten zwischen Knien und Bauch ein, um sich noch effektiver zu dehnen? Und: Warum habe ich kein Sitzkissen und keinen Kaffee mitgenommen?

Bei Kilometer 468,3 sind wir dann in den Stockstadt-Erfelder Altrhein eingebogen. Von zwei Nähe suchenden Jetski-Fahrern, die uns mit ihren Wellen wahrscheinlich mehr beeindrucken als stören wollten, blieben wir möglichst unbeeindruckt, und unsere Steuermänner bzw. -frau lenkten uns sicher in den Altarm. Wir bogen um eine Kurve und fanden uns in einer paradiesischen, urwaldartigen Landschaft wieder. Das Wasser war ganz still und flach, sodass man die vielen Muscheln auf dem Grund sehen konnte. Bäume ragten ins Wasser, Schwäne zogen ihre Kreise. Noch fünf kurze Kilometer bis zum Ziel, dachten wir, aber es wurden dann doch fünf lange Kilometer, gefühlte acht oder zehn. Wenn sich in den gut vier Stunden bis dahin die Blase noch nicht bemerkbar gemacht hatte, dann tat sie es auf diesen letzten Kilometern umso mehr. Irgendwann kamen eine Brücke und ein Haus in Sicht, und nun wurde jeder Bootssteg zum ersehnten Zielpunkt. Allerdings dauerte es dann noch einige Bootsstege lang, bis wir beim Ruderclub Neptun ankamen. Einige mussten dann rennen, und erstaunlicherweise konnten wir das noch sehr gut. Die Laune war bestens, wir hatten es alle geschafft und eine wunderbare Zeit auf dem Wasser! Bei den netten Darmstädter Ruderern wurden nun die Boote auf den Hänger verladen, die Beine gestreckt und Gruppenfotos geschossen. Dann ging es mit dem Vereinsbus und zwei Autos zurück zum Mannheimer Bootshaus. Bei selbstgemachtem Chili, Kratoffelgratin und leckerem Kuchen konnten wir es uns nach der Anstrengung richtig gut gehen lassen. Bis in die späten Abendstunden saßen wir zusammen im Vereinsheim und feierten unseren sportlichen Erfolg.

Katrin Wellnitz

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